Raum und Leere

Das Konzept der Leere und das Konzept der Einfachheit

Viele meiner Arbeiten basieren überwiegend auf zwei Konzepten, dem Konzept der Leere und dem Konzept der Einfachheit, das auch den Alterungsprozess mit einbezieht.

Mein Medium ist die Installation, gelegentlich auch Malerei und Photographie.

Schon länger beschäftige ich mich mit verschiedensten Raumsituationen, die psychologischer oder religiöser Art sind – bis mich auf das Phänomen der Leere zu beschäftigen begann. Ein Raum kann etwas beinhalten und dennoch das Gefühl von Leere erzeugen. Leere benötigt Raum – Raum benötigt Leere.

 

Das Konzept der Leere

Was kann Leere bedeuten? Es ist ein Zustand, in dem nichts ist, aus dem aber etwas entstehen kann, wie ein leeres Gefäß, das man befüllen kann, ein leeres Blatt, das beschrieben werden kann, ein Uterus, der ein Kind gebären kann.

Leere benötigt den Raum, in dem etwas werden kann, in dem die Möglichkeit zu kommunizieren besteht. Der Raum tritt in Beziehung mit dem, was er umschließt oder was außerhalb seiner ist.

Mein neu geschaffener Raum ist ein NichtRaum, der nach allen Seiten offen ist.  Ein Raum, der kein Raum ist. Aus sehr harten Ästen wurde eine Art Gerüst erstellt, das den Stäben eines Zeltes ähnelt. Man hat Mühe, den aus wenigen Ästen aufgestellten Raum zu bekriechen. Man muss vorsichtig hineinkriechen und sich ebenso vorsichtig darin wenden. Hat man sich darin platziert, öffnet sich der Blick nach oben, man hat das Universum, den Himmel, die Schöpfung über sich. Ein Gefühl von Weite entsteht im leeren Raum. Ort und Zeit lösen sich auf.

Im Raum entsteht ein Leer-Raum, der alles möglich werden lässt.

 

Des Weiteren kreierte ich die Soul Wardrobe, die den Zustand eines Eingangsbereiches einer Wohnung umschreibt, deren Bewohnerin sie dem Augenschein nach verlassen hat. Die Ausgestaltung der Installation lässt den Schluss zu, dass die Bewohnerin verstorben ist und die Frage steht im Raum, was aus ihrer Seele wurde. Diese Installation hat religiöse Bezüge.

Das Thema Seele hat mich längere Zeit beschäftigt, so dass mehrere Seelengarderoben bzw. Seelengaragen entstanden. Ein weiteres Werk von mir ist die Mönchszelle oder auch dem Himmel entgegen. Die Inspiration dazu kam beim Besuch des Kreuzgangs des Karmelitenklosters. Es handelt sich um eine einfache Holzkonstruktion, die mit schwarzen Tüchern umhängt und nach oben hin offen ist, so wie auch die spartanischen Zimmer der Mönche sehr einfach eingerichtet sind und der Hinwendung zu Gott dienen. Man kann sich hineinlegen, den Himmel betrachten und einfach nur lauschen. Die Mönchszelle hat eine meditative Wirkung. Zunächst spürt man die Enge des Raumes, die sich jedoch dann in der Weite des Himmels und den alltäglichen Geräuschen darum herum verliert.

Leere tritt in Beziehung mit Wandel. Aus der Leere kann Neues entstehen. Nur wenn Altes vergangen ist, kann wirklich Neues entstehen. Ein weiterer Aspekt der Leere ist die Unbelastetheit des leeren Raumes. Leere geht einher mit Offenheit, alles wird möglich.

 

 

Das Konzept der Einfachheit und des Alterungsprozesses

Mit Vorliebe verwende ich alltägliche Materialien, die zum einen sehr natürlich sind oder der Natur entstammen, zum anderen Dinge, die einfach, im Allgemeinen bedeutungslos oder sogar hässlich sind. Weggeworfene Pappe, Papiersäcke, Füllmaterial aus Papier sind Materialien, die ich häufig benutze, einfache Stoffe, die ich drapiere oder in eine neue Form bringe wie z.B. die Shadows oder meinen Corpus Christi. Neu erworbene Materialen sind ganz normale Materialien, die sich jeder leisten kann und für jedermann erreichbar, „demokratisches“ Material wie es der Künstler Tom Sachs formuliert.

Einige neuere Werke sind inhaltlich von der japanischen Teezeremonie inspiriert. Darin spiegelt sich das Konzept der Einfachheit. Teesäcke, die aus mehrschichtigem Papier bestehen, sind das Ausgangsmaterial, das malerisch mit den Inhalten des Chanoyu verknüpft wurde.

Die Arbeiten lassen das Wesen ihres Ursprungs zu, gleichzeitig entstand Neues. Das Alte, Gebrauchte, „Unschöne“ darf bleiben, muss nicht vollständig verdeckt werden, geht ein Miteinander mit dem Neuen ein. Auch der Hintergrund der Rahmen wurde bei der Präsentation mit einbezogen, sowohl die Farbe des Hintergrunds, als auch die durchdringenden Metallkreise, die von den Halterungen der Rahmen herrühren. Es ist ein Prinzip der japanischen Ästhetik, Aspekte des Einfachen und des Alterungsprozesses auch in neuen Schöpfungen zuzulassen, das Prinzip des Wabi-Sabi. Neues kann daher sehr einfach, gebraucht und sehr alt erscheinen, im großen Gegensatz zu der Ästhetik des Makellosen und Perfekten europäischer Kunstauffassung.

Die Themen einiger meiner Arbeiten entstammen der Auseinandersetzung mit den Prinzipien japanischer Ästhetik und dem Chanoyu, was nichts anderes heißt als „heißes Wasser in den Tee gießen“. Die Werke Tea WorldInner CircleHommage an Andy und Adding Flavour to Life erzählen davon.